Umbau eines C-Netz Mobiltelefons zum 70cm Amateurfunk-Transceiver

 

Das im Jahre 1986 in Betrieb genommene C-Netz (Frequenzbereich bei etwa 460 MHz ) der Deutschen Bundespost, machte das Telefonieren endlich mobil. Das revolutionäre war zum einen die Baugröße der Geräte (das von 1972-1995 in Betrieb befindliche B-Netz war aufgrund der niedrigen Frequenz 153 - 163 MHz und der großen Funkzellen nicht für den frau-/mannportablen Betrieb geeignet) und zum anderen die wichtigen Systemeigenschaften wie
  • Selbstwahl in beide Richtungen
  • einheitliche Vorwahl im gesamten Versorgungsbereich
  • Teilnehmererreichbarkeit im gesamten Versorgungsbereich ohne Kenntnis des Aufenthaltsortes
  • automatische Weiterleitung von Gesprächen in benachbarte Funkzellen (handover).

Das sind eigentlich alles Features, die für uns aus heutiger Sicht selbstverständlich sind. Als das C-Netz letztendlich im Dezember 2000 abgeschaltet wurde, sind eine Menge Geräte im  Sondermüll gelandet. Die herausragende Eigenschaft (zum Leiden unzähliger YL's und XYL's) eines Funkamateurs ist die Faszination von Edelschrott. Das dachte sich auch OM Uwe DL6INT, der sich intensiv mit dem Modell Siemens C5 auseinandergesetzt hat. Der Bericht in unserer Clubzeitschrift hat mich motiviert, das Projekt nach seiner erstellten Umbauanleitung durchzuführen. Ihr könnt die folgenden Bilder meines Exemplars wieder durch Mouseklick vergrößern.

Hier seht Ihr die Platine in der Ursprungsform, deutlich zu erkennen sind rechts oben das Duplexfilter und im linken unteren Bereich Controller, RAM, DSP sowie EPROM, die beim Umbau ersetzt werden müssen.

Als erstes dachte ich mir, löte mal das Endstufenmodul (blau in der rechten Ecke) aus, damit die Anschlussbeinchen während der Umbauarbeiten an der Platine nicht abbrechen. Vergesst es! Die an Masse gelegten Pins leiten derart schnell die Wärme auf die dick

 beschichtete Platine und die Rückseite des Moduls ab, dass ein Auslöten der Pins unmöglich ist. Die mechanische Beanspruchung bei drehen der Platine ist aber nicht allzu groß und wenn man etwas vorsichtig ist, sollte auch im eingebautem Zustand nichts passieren.

Die größte Schwierigkeit des Umbaus war für mich das Ersetzen der Sendefilter mit den Neosid Doppelhelixfiltern. Auch hier ist das Auslöten der Filter nahezu unmöglich. Zuerst versuchte ich es nach der Methode von OM Uwe. Ich legte die Platine in den mit 120 Grad vorgeheizten Umluftherd und erhitzte die Platine ca. 8 Minuten lang. Die Platine aus dem Ofen geholt, begann ich sofort unter Zuführung von reichlich Lötzinn, mit den Auslötearbeiten der Sendefilter. Da die Platine sehr schnell abkühlte nahm ich eine Spitzzange zur Hilfe und  zog die Sendefilter, allerdings mitsamt der Durchkontaktierung :-(( aus den Bohrungen.

Besser und gesünder für die Platine ist folgende Methode:

Mit einer Kombizange werden die Filter durch einen festen Griff auf beiden Seiten gequetscht. Jetzt die Zange ohne abzurutschen etwas nach links und rechts drehen. Die Beinchen brechen ab und die Pins von Ein- bzw. Ausgang können bequem freigelötet werden. Die Massepins bleiben einfach in der Platine stecken. Die Filter kann man direkt nach wegkratzen des Lötstopplacks mit dem Gehäuse auf die Platine löten und so die Masseverbindung herstellen. Diese Variante würde ich bei einem zweiten Umbau vorziehen.

Rechts kann man die neuen Neosid Doppelhelixfilter und die neue Controllerplatine, die anstelle des Kartenlesers auf dem C5 Board Platz findet, sehen. Sicherlich kann man die Verdrahtung etwas ordentlicher durchführen, aber es funktioniert! Als Microcontroller kommt der 89C4051 (128kByte RAM), der mit der Steuersoftware von OM Uwe programmiert wurde, zum Einsatz. Die genaue Beschreibung des Umbaus könnt Ihr über den oben eingefügten Link von DL6INT downloaden.
An dieser Stelle vielen Dank an OM Frank DD9UG, von dem ich die professionellen durchkontaktierten Platinen für den Controller und das HF-Teil bezogen habe. Auf der neuen HF-Platine befinden sich der Sender-Tiefpass, Empfänger-Bandpass, Empfänger-Vorverstärker und die Sende-Empfangsumschaltung.
Die Platine läst sich einfach in ein Weissblech-Gehäuse einlöten, welches die gleichen Abmessungen wie das ehemalige Duplexfilter hat. Anschließend werden die SMD-Bauteile eingelötet. In dem Bild rechts seht Ihr das eingebaute neue HF-Teil. Das Weissblechgehäuse wird mit der Hauptplatine des C5 an mehreren Stellen verlötet.
Der Oszillator des C5 benutzt  einen Leitungskreis mit keramischen Dielektrikum. Durch die Verlängerung des Leitungskreises mit einem Kupferdraht von 9 mm (nach Anleitung 10-15mm), konnte in meiner Version die Frequenz um 30 MHz für das 70cm Amateurfunkband verringert werden. Mit dem weißen Trimmer wird der Oszillator abgestimmt.
So sieht die umgebaute Platine am Ende aus.
Hier die Grundfunktionen nach dem Umbau:
Frequenzbereich 70cm Amateurfunkband Lautstärke in 8 Stufen einstellbar
Squelch in 126 Stufen einstellbar Abstimmschritte 12, 25, 50, 100, 200, 400, 800 und 1600 kHz wählbar
Frequenzeingabe über Nummernblock möglich 3 Speicherbänke je 9 Kanäle
Sendeleistung in vier Stufen zwischen 0,2 und 15 Watt wählbar Relaisablage 1.600, 6.550, 7.600, 9.400 kHz +/- wählbar 
Weiterhin wird die Spannung, die Gerätetemperatur  und ein Balken S-Meter auf dem Display angezeigt. Weitere Funktionen sind 1750 Hz Rufton für Relaisauftastung und Scanner.

 

Fazit:

Man wird mich zwar nicht mit dem 'Koffer' in der Gegend herumlaufen sehen, es war aber dank der Umbauanleitung von OM Uwe DL6INT eine erfolgreiche Winterbastelei. Das Gerät macht mir auch im heimischen Shack viel Freude. 

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